Huawei hat mit dem Mate X7 erneut ein faltbares Smartphone der Oberklasse vorgelegt, das sich klar an Nutzer richtet, die das Beste aus Kameratechnik, Displayqualität und Verarbeitung herausholen möchten. Doch wie schon bei den Vorgängern und anderen aktuellen Huawei-Geräten muss man auch hier Abstriche machen – genauer gesagt beim Mobilfunkstandard und bei den Google-Diensten. Dieser Test beleuchtet, ob das Mate X7 trotz dieser bekannten Schwachstellen ein alltagstaugliches Premium-Gerät ist oder ob die Kompromisse zu schwer wiegen.
Design und Verarbeitung: Hochwertig, aber nicht perfekt abgedichtet
Die Rückseite des Mate X7 ist mit einer lederähnlichen Struktur versehen, die nicht nur edel aussieht, sondern auch für einen guten Griff sorgt. Der Metallrahmen unterstreicht die hochwertige Haptik. Mit der Schutzklasse IP59 ist das Gerät gegen Wasser und Staub geschützt – allerdings nur auf einem Niveau, das Spritzwasser und begrenzten Staubkontakt toleriert. Ein vollständiges Untertauchen ist nicht empfehlenswert. Dennoch ist die IP59-Zertifizierung ein Fortschritt gegenüber vielen anderen Foldables, die oft gar keine offizielle Zertifizierung besitzen.
Displays: Heller geht es kaum
Das äußere Display misst 6,5 Zoll und nutzt LTPO-Technologie für eine dynamische Bildwiederholrate von 1 bis 120 Hz. Mit einer Spitzenhelligkeit von bis zu 3.000 Nits, so Huaweis eigene Angabe, ist es selbst bei direkter Sonneneinstrahlung hervorragend ablesbar. Das innere Hauptdisplay ist mit 8 Zoll noch größer, erreicht 120 Hz und immerhin 2.000 Nits. Beide Panels sind OLEDs, was für satte Farben und tiefes Schwarz sorgt. Besonders beim Medienkonsum oder Multitasking entfaltet das große Innenleben seine Stärke. Allerdings sollte man die Helligkeitsangaben relativieren – im Alltag werden die Maximalwerte nur bei sehr hellen Umgebungen oder bei HDR-Inhalten erreicht.
Kamera: Das Highlight des Mate X7
Das Kamerasetup ist zweifellos die Paradedisziplin des Mate X7. Drei Objektive stehen bereit: Ein 40-Megapixel-Ultraweitwinkel, eine 50-Megapixel-Hauptkamera mit variabler Blende (f/1,5 bis f/4,0) und optischem Bildstabilisator (OIS) sowie ein 50-Megapixel-Teleobjektiv mit 3,5-fachem optischem Zoom. In Labortests schneidet das Mate X7 im Vergleich zu anderen Faltphones besonders bei schlechten Lichtverhältnissen hervorragend ab. Die variable Blende erlaubt es, je nach Motiv entweder viel Licht einzufangen (f/1,5) oder eine große Schärfentiefe zu erzielen (f/4,0). Das Teleobjektiv liefert auch bei höheren Zoomstufen noch brauchbare Ergebnisse, da Huawei hier auf hybride Zoomtechnik setzt. Insgesamt kann man sagen: Wer Wert auf erstklassige Fotos legt, findet im Mate X7 einen der besten faltbaren Kameraphones auf dem Markt.
Leistung und Software: Flotter Kirin, aber ohne Google
Im Inneren arbeitet der hauseigene Kirin 9030-Prozessor. Dieser meistert Alltagsaufgaben sowie anspruchsvolles Multitasking mühelos. Auch das Öffnen mehrerer Apps nebeneinander auf dem großen Innenbildschirm funktioniert flüssig. Software-seitig läuft EMUI 15 auf Android-Basis – jedoch ohne vorinstallierte Google-Dienste. Das bedeutet: Kein Play Store, keine Google Maps, keine Gmail-App aus erster Hand. Zwar lassen sich viele Apps über die hauseigene AppGallery oder alternative Quellen wie Aurora Store installieren, doch wer auf die nahtlose Google-Integration angewiesen ist, wird sich umgewöhnen müssen. Zahlungsdienste wie Google Pay sind ebenfalls nicht verfügbar. Huawei bietet zwar eigene Lösungen wie Huawei Mobile Services (HMS) an, aber der Ökosystem-Vorteil von Google fehlt komplett.
Funk und Konnektivität: 5G-Fehlanzeige
Ein weiterer Wermutstropfen: Das Mate X7 unterstützt nur 4G (LTE), nicht den aktuellen 5G-Standard. In Zeiten, in denen selbst Mittelklasse-Smartphones 5G bieten, ist das ein schwer wiegender Nachteil für ein Gerät, das über 2.000 Euro kostet. Immerhin ist Wi-Fi 7 an Bord, allerdings ohne das 6-GHz-Band – auch hier ein kleiner Dämpfer für die zukunftssicherste WLAN-Verbindung. Für viele Nutzer mag 4G im Alltag noch ausreichen, doch wer in Ballungsräumen unterwegs ist oder auf die niedrigsten Latenzen angewiesen ist, wird die fehlende 5G-Unterstützung bedauern.
Akku und Laden: Überzeugend
Der 5.300-mAh-Akku sorgt für eine lange Laufzeit – selbst bei intensiver Nutzung der beiden großen Displays kommt man problemlos über einen ganzen Tag. Das kabelgebundene Laden erfolgt mit bis zu 66 Watt, kabellos mit 50 Watt. Das sind hervorragende Werte, die kurze Ladezeiten ermöglichen. In 30 Minuten ist der Akku zu einem großen Teil gefüllt, was die fehlende Wechselbarkeit des Akkus mehr als ausgleicht.
Preis und Fazit
Mit 2.099 Euro für die 512-GB-Version bewegt sich das Mate X7 im typischen Premium-Foldable-Segment. Die Konkurrenz von Samsung (Galaxy Z Fold6), Google (Pixel Fold) oder OnePlus (Open) ist nicht unbedingt günstiger, bietet aber meist 5G und volle Google-Dienste. Das Mate X7 richtet sich daher an eine spezielle Zielgruppe: Nutzer, die das beste Kamerasetup in einem Faltphone wollen, die mit der Google-freien Welt leben können und für die 4G ausreichend ist. Für alle anderen bleibt das Mate X7 ein beeindruckendes, aber letztlich kompromissbehaftetes Luxusgerät.